Lesung von Wilhelm Waibel im Hospizverein

Bereits zum zweiten Mal lud der Hospizverein Singen und Hegau e. V. in die Räume der Villa Wetzstein zu einer Lesung ein. Die Vorsitzende des Hospizvereins, Irmgard Schellhammer, konnte den Singener Ehrenbürger Wilhelm Waibel auf der Couch im Kaminzimmer begrüßen. Er las in beeindruckender Weise aus seinem Buch „Warte auf mich Babuschka“.

Gebannt hörten rund 30 Zuhörer die Geschichte von Ludmilla, einer ukrainischen Zwangsarbeiterin in den Jahren 1944 und 45 in Deutschland. „Die Geschehnisse sind Realität und wurden tatsächlich erlebt“, so Waibel, „auch wenn die Personen nicht wirklich existiert haben“. Wilhelm Waibel hat seine eigenen Erfahrungen und unzählige gehörte Geschichten in diesem Buch verarbeitet.

Ludmilla wird als junges Mädchen nach Deutschland gebracht, wo sie in einer Metallwarenfabrik arbeiten muss. Von Heimweh nach ihrer Mutter und Babuschka, ihrer Großmutter, geplagt, übersteht sie die schwere Zeit. Babuschka warnte sie vor den Wölfen. Es gäbe überall auf der Welt Wölfe und Schafe, und nicht jeder, der in feine Wolle gekleidet ist, ist ein gutes Schaf.

Mit der Zeit macht Ludmilla immer wieder die Erfahrung, dass es bei den Deutschen unter den Wölfen auch Schafe gibt. Und als sie nach schweren Jahren wieder zurückkehrt, muss sie die Erfahrung machen, dass es unter den Schafen zu Hause auch Wölfe gibt.

Am Ende steht sie vor der Frage: Hat sie die Granate gebaut, die ihrem Vater das Bein zerriss? Ist sie schuld am Tod und Leid vieler Landsmänner?

Betroffenes und berührtes Schweigen folgte dem Vortrag und ging dann in anregende Gespräche und viel Austausch über eigene Erfahrungen über. Viele Zuhörer haben diese Zeit selbst erlebt und erzählten von den eigenen erlebten Kriegsjahren, Flucht und Ängsten.

Wilhelm Waibel spendete den Erlös vom Verkauf des Büchleins dem Hospizverein.

Das Büchlein können Sie noch für 10 € im Hospizverein erwerben.

 

Text und Bild: Martina Fahr-Rackow