Der Hospizverein Singen und Hegau e.V. konnte dieser Tage den bekannten Förderer der  Hospizbewegung in Deutschland und langjährigen Trauerbegleiter Prälat i.R. Martin Klumpp zu einem Vortrag begrüßen. Etwa 70 Interessierte waren in den Luthersaal gekommen, um den Vortrag unter dem Thema: „Was geschieht, wenn Menschen trauern“ zu hören. Martin Klumpp berichtete aus seiner langjährigen Erfahrung als Leiter von Trauergruppen und der Begegnung mit Trauernden als Pfarrer und Seelsorger.

Er erläuterte zunächst, dass Trauer eine psychische Reaktion auf einen schweren Verlust ist, die nicht dem Willen unterworfen ist, sondern kommt und geht, wie sie will. Durch rationale Entscheidungen ist sie nur bedingt zu kontrollieren. Eine Vielzahl unterschiedlicher Gefühle überschwemmt die Betroffenen und sie haben keine Erklärung warum und wann welches Gefühl aufkommt. Trauer läuft in verschiedenen Phasen ab, die individuell unterschiedlich lange dauern.

Schließlich ging Klumpp auf die Frage ein: Was hilft uns bei der Trauer? Trauernde haben das Bedürfnis, das Erlebte immer und immer wieder zu erzählen, solange bis für sie das Erlebte zur Wahrheit wird. Gefühle müssen geäußert und gelebt werden dürfen. Man darf sie dem Trauernden nicht ausreden, sondern soll die Betroffenen ermutigen, sie herauskommen zu lassen. Trauernde setzen sich häufig bewusst dem Schmerz aus, das Grab oder einen Ort, der sehr mit dem Verstorbenen verbunden ist, immer wieder aufzusuchen: Das Fühlen der schmerzlichen Gefühle reduziert allmählich die Schmerzen. Viele Betroffenen werden empfindsamer für Licht und Dunkel, Musik wird ergreifender, Träume lebhafter, man wird verletzlicher.

Nach diesen Erläuterungen gab Martin Klumpp wertvolle Hinweise für die Begegnung und das Gespräch mit Trauernden. Aktives Zuhören, durch nachfragen verdeutlichen, dass der Betroffene sein Herz öffnen kann, ohne beurteilt zu werden, nicht beschwichtigen und relativieren („Das geht doch vielen so“, „Das darfst Du nicht so schwer nehmen.“) Für solche Gespräche brauchen wir Demut, den Mut, dazubleiben, wo ich nichts machen kann. „Wir können keinen Trost schaffen, aber wir können Katalysatoren sein, für das psychische und spirituellen Geschehen aus dem Trost wächst.“